Die 4 Stufen der Kompetenzentwicklung

12.07.2023 - Irène Wüest

Das Modell der Kompetenzentwicklung

Egal, ob es das Erlernen des Tastaturschreibens, einer neuen Fremdsprache, der Technik des aktiven Zuhörens oder der Einführung eines neuen Arbeitsablaufes betrifft, wir durchlaufen immer einen Prozess in vier Stufen.

Die vier Stufen der Kompetenz setzen sich aus unserer Selbstwahrnehmung (bewusst und unbewusst) und unserer tatsächlichen Fähigkeiten (Inkompetenz und Kompetenz) zusammen und sind hierarchisch angeordnet.

Stufen der Kompetenzentwicklung 3

Stufe 1: Unbewusste Inkompetenz

⇒ Mir ist nicht bewusst, dass ich etwas nicht weiss oder kann

Der Mitarbeitende ist sich der fehlenden Kompetenz nicht bewusst. Sei es, weil die Person es einfach nicht weiss, dass sie es nicht weiss bzw. kann oder weil sie selbst nicht über mögliche Defizite reflektiert.

 !  Es braucht einen Anreiz von aussen! Mit Kritik und Feedback können Sie den Mitarbeitenden auf unbewusste Inkompetenzen aufmerksam machen bzw. den blinden Flecken aufdecken.

Beispiel:
Der Mitarbeitende ist sehr langsam im Bearbeiten ihrer E-Mails. Er versteht zwar schnell die Anliegen und hat auch schnell Lösungen parat, und trotzdem braucht er gefühlt ewig, bis das Postfach leer ist.

Stufe 2: Bewusste Inkompetenz

Mir wird bewusst, dass ich etwas nicht weiss oder kann

Der Mitarbeitende ist sich seiner Defizite bewusst und ist nun in der Verantwortung, etwas dagegen zu tun. Kennen ist jedoch nicht Können. Oft weiss die Person nicht, wie etwas erreicht werden kann.

 !  Hier heisst der Weg zur Kompetenz Lernen, Wissen aneignen, z.B. durch Sehen, Hören bzw. Buch lesen, Seminar besuchen etc.
Es lohnt sich unter Umständen auch ein Augenmerk auf mögliche innere Blockaden zu legen:  
Mindset (innere Haltung), Feelset (unangenehme Gefühle, wie Angst, Unsicherheit), Toolset (falsches EDV-Programm), Skillset (fehlende Fähigkeiten).

Beispiel:
Der Mitarbeitende weiss jetzt, dass er so langsam mit den E-Mails ist, weil er nur mit dem Adlersystem auf der Tastatur tippt und den Grossteil der Zeit mit langsamem Schreiben verbringt.

Stufe 3: Bewusste Kompetenz

Mir ist bewusst, dass ich etwas weiss oder kann

Der Mitarbeitende hat die fehlende Kompetenz erworben und ist sich dessen bewusst. Er weiss und versteht, was zu tun ist, um das Ziel zu erreichen. Das Anwenden von Tools, Techniken, neuem Knowhow erfolgt noch unbeholfen und holprig. Abläufe und Verhalten werden bewusst gesteuert und benötigen hohe Konzentration und Aufmerksamkeit. Üben, Trainieren, Wiederholen ist angesagt.

 !  Hier heisst es vor allem Erfolgserlebnisse und Fortschritte wertschätzen und bei Misserfolgen, Durchhängern ermutigen und unterstützen.

Beispiel:
Der Mitarbeitende hat einen Kurs für das 10 Finger-System besucht und kann jetzt schnell schreiben. Er muss sich allerdings beim Schreiben noch konzentrieren und gelegentlich auf die Tastatur schauen.

Stufe 4: Unbewusste Kompetenz

Wissen und Können sind integriert und laufen automatisch ab

Das Gehirn hat die neu eingeleiteten Bahnungen von einem Trampelpfad zur Autobahn werden lassen. Die neue Verhaltensweise hat sich internalisiert und automatisiert – es geht leicht von der Hand. Die Person denkt gar nicht mehr daran, dass sie einmal anders gehandelt hat. Will man die Kompetenz bewusst ausführen oder jemandem erklären, wie genau man etwas macht, braucht es eine bewusste Konzentration (Stufe 3).

 !  Hier heisst es, wachsam sein für Veränderungen im Umfeld/Umwelt. Tun wir noch das Richtige und vor allem auch richtig? Automatismen gelten nicht ewig und bedürfen von Zeit zu Zeit Anpassungen.

Beispiel:
Ich schreibe sehr schnell, ohne auf die Tastatur zu blicken. Aber sobald ich auf die Tastatur schaue und nachvollziehen will, wie ich das mache, so schnell zu tippen, werde ich langsamer.

Fazit:

Lernen ist ein Prozess!
Ein Leben lang eingeübte Verhaltensformen und über Jahre übliche Verfahrensweisen in einer Firma lassen sich nicht durch ein einzelnes Seminar verändern. Wissen und Kompetenzen aneignen sowie Veränderungen herbeiführen, verläuft über Stufen und das benötigt Zeit, Musse und Bereitschaft.

 Coaching-Angebot

Brauchen Sie Unterstützung beim persönlichen Lernen oder der Teamentwicklung? Gerne gebe ich Ihnen ein Stück Wissen aus meiner Schatztruhe weiter. Melden Sie sich bei mir, ich begleite Sie mit grosser Freude.

 

Quellen:
Es gibt mehrere Quellen für dieses Modell wie z.B. Albert Bandura, Gregory Bateson, Noel Burch, Conscious competence theory etc.  Der Ursprung ist nicht wirklich auszumachen.

Topics: Coaching, Kommunikation, Persönlichkeit, Entwicklung